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Hühnchen im Topf, überbacken

Am Tresen meines Lieblingsrestaurants hörte ich unlängst folgende Geschichte von einem Vater, der von seinem Einsatz während des zweiten Weltkriegs zurück einige Tage in Los Angeles verbrachte. An einem Donnerstagmittag machte er sich zusammen mit seinem Kumpel auf die Suche nach einem Lokal fürs Mittagessen. Die Hollywood Canteen, in der hoch bezahlte Filmstars kostenlos als Animateure, Kellner, Köche oder Putzkräfte aktiv waren und zu der Soldaten freien Zutritt hatten, ließen Sie an diesem Tag links liegen und machten sich hinauf zum Hollywood Boulevard auf den Weg, wo sie schließlich im Musso and Frank, Hollywoods ältestem Eßlokal zwei Plätze ergatterten und die Tagesempfehlung, Hühnchen im Topf, überbacken, bestellten. Noch lange schwärmte er im Familienkreis davon, dass das das erste Mal seit Monaten gewesen war, dass er das Gefühl hatte, etwas gegessen zu haben, das so schmeckte, wie er es von zuhause gewöhnt war.

Auch nach vielen Jahren konnte er dieses Eßvergnügen nicht vergessen. Als schließlich 2003 seine Enkelin heiratete, kehrte er zum ersten Mal seit Kriegsende nach Hollywood zurück. Da die Geschichte vom wundervollen Huhn im Topf, überbacken über die Jahre fester Anekdotenbestand seiner Familie geworden war, schlug seine Frau noch bei der Ankunft am Flughafen vor, das Musso and Frank vor den Feierlichkeiten zu besuchen.

Nachdem sie das eine und andere Mal von Ortsansässigen den Weg erfragt hatten, fanden sie das Lokal am nächsten Tag schließlich. Dieses sah kaum anders aus, als es die beiden Soldaten 1945 vorfanden, und da es gerade wieder ein Donnerstag war, bestellten sie, wie kann es anders sein, ein Hühnchen im Topf, überbacken, das just so und kein bisschen anders als damals schmeckte.

Während man nur allzu oft hört, dass sogenannte gehobene Restaurants sich gerne damit brüsten, ihre Menus spätestens alle paar Wochen zu ändern, handelt man im Musso and Frank offenbar nach dem Motto: Wenn du gleich beim ersten Mal alles richtig machst, erübrigen sich spätere Änderungen. Dieser Erkenntnis schließen wir von Audio Int‘l uns gerne an.