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Mono? Mono!

(von Helmut Rohrwild)


Keine Angst, wir sind nicht aus der Zeit gefallen! Nix Nostalgie oder Retro. Anfragen von Lesern, diverse Erzählungen aus dem Bekanntenkreis und Informationen aus dem Buschfunkwaren Anlass genug, das Thema Monotonabnehmer anzugehen. Unbestreitbar ist, dass eine Unmenge Monoschallplatten existieren, darunter viele einmalige Aufnahmen aus den frühen Tagen der schwarzen Scheibe. Auch wenn man es partout nicht glauben will, wird man bei Durchsicht seiner Sammlung mit Sicherheit monofone Platten finden, sei es aus dem Bereich der Rock- und Popmusik, in dem die frühen Aufnahmen nahezu aller Gruppen in Mono waren, oder im klassischen Revier (das Kollege Martin durchforstet hat), in dem vieles sowohl in Mono als auch in Stereo vorliegt, von den nur monofon existierenden Aufnahmen ganz zu schweigen. Sammler von Jazzmusik suchen oft nur nach Monoplatten. Sie können sich auf einen 20-er-Pack von frühen Blue Note-Scheiben freuen, die Classic Records demnächst bringt.

Für mich waren bisher Monoscheiben reichlich uninteressant, da ich im Stereozeitalter aufgewachsen bin und Mono damals einfach mega-out war. Sie wurden zwangsweise akzeptiert, wenn keine Stereopressung verfügbar war, aber richtig Spaß gemacht haben sie nicht. Das bezieht sich ausschließlich auf die klanglichen Aspekte, so die heutige Erkenntnis. Natürlich wurden diese Platten mit den vorhandenen Stereotonabnehmern abgespielt (mit was denn sonst?) und genau da liegt des Rätsels Lösung – simple technische Bedingungen. Monoplatten sind in reiner Seitenschrift geschnitten, also sind Informationen ausschließlich (!) in der horizontalen Auslenkung enthalten. Alles, was eine vertikale Auslenkung der Nadel bewirkt, wie Schmutz oder Pressrückstände, wird von einem Stereotonabnehmer auch als Signal aufgenommen (das ist nun mal sein Job – nämlich horizontal und vertikal abzutasten) und gelangt, obgleich unerwünscht, zu Gehör. Diese Nichtsignale wirken sich bei der Wiedergabe als nachhaltige Irritationen aus und vergällen regelrecht den Musikgenuss. Diese Beschreibung mag krass erscheinen, trifft aber ins Schwarze. Wer nicht in alten Schätzen wühlen will, kann sich aktuelle Re-Issues anhören … Auch das ist ein Aspekt, der für die Verwendung eines Mono-Tonabnehmers spricht – dass anerkannte Re-Issue-Labels Neuauflagen ganz bewusst in Mono machen. Das ist definitiv keine Retro-Masche (nur dafür wäre ein separates Monoequipment zum Schneiden echter Overkill), sondern zollt den ursprünglichen Aufnahmen den angemessenen Tribut.

Drei Beispiele möchte ich hier vorstellen – Caterina Valente in New York, Jimi Hendrix: Axis bold as love, und (brandneu) Roy Orbison: Lonely and blue. Absichtlich habe ich Platten gewählt, die aktuell käuflich sind. Es nützt herzlich wenig, Scheiben aus meiner Sammlung vorzustellen, die man nicht im Laden kaufen kann – schließlich sollen Sie, der Leser, nachvollziehen können, was uns so fasziniert hat. Wenn man nun so eine Monoscheibe zuerst mit einem Stereosystem spielt und anschließend mit einem Monoabtaster, dann wird drastisch klar, warum es Leute gibt, die auf Mono schwören, denn sämtliche Irritationen sind wie weggeblasen, die Musik bekommt eine kompakte Struktur und entwickelt eine verblüffende Nachdrücklichkeit und Realismus. Räumlichkeit ist reichlich vorhanden (doch, doch) und die Links-Rechts-Ortung der vertrauten Stereotechnik wird überhaupt nicht vermisst.

Die Stimme Caterina Valentes zeigt jetzt ihre ganze (frühe) Klasse, lässt erkennen, warum sie einer der ganz großen Stars geworden ist (nur nicht in Deutschland, wo man sie immer in die Schublade Schlagersängerin steckte) und die Begleitband aus Jazzgrößen jener Zeit, nämlich 1956(!), demonstriert Spielfreude und Können vom Allerfeinsten.

Jimi Hendrix ist ja nun nicht unbedingt jedermanns Sache, aber diese Monoplatte (Classic Records) zeigt sowohl sein Ausnahmekönnen auf der Gitarre als auch ein sehr gekonntes Zusammenspiel des Trios. So zerfahren gerade diese Platte mit einem Stereosystem klingt, so richtig klingt sie in echtem Mono. Die gewollten Verzerrungseffekte der E-Gitarre passen perfekt in den Kontext des jeweiligen Stückes. Eine Glanzleistung (von Classic Records auf 200 g Quiex SV-P) ist auch das jüngste Exemplar dieser drei Beispiele, Roy Orbisons erste LP Lonely and Blue mit Aufnahmen aus den Jahren 1959 und 1960. Das waren überwiegend noch Fremdkompositionen, deren Interpretation aber schon zeigt, wohin sich Orbison entwickeln würde. Eine der besten Pop-Stimmen hatte er schon damals und die dramatisch-theatralischen Arrangements späterer Jahre sind schon gut zu erkennen. Mit einem Stereotonabnehmer stellt sich sofort wieder diese Irritation ein, die ich mittlerweile als unerträglich empfinde. Mit einem Monoabtaster ist man dann in einer anderen Klangwelt, bekommt man ein exzellent strukturiertes Klangbild geboten, das ohne Fehl und Tadel ist. Ein Hörvergnügen der besonderen Art! Ich freue mich schon auf den Vergleich mit der Stereopressung, die auch angekündigt ist.

 

Helmut Rohrwild (HiFi & Records 03/2003)

Mono? Mono!

(von Helmut Rohrwild)


Keine Angst, wir sind nicht aus der Zeit gefallen! Nix Nostalgie oder Retro. Anfragen von Lesern, diverse Erzählungen aus dem Bekanntenkreis und Informationen aus dem Buschfunkwaren Anlass genug, das Thema Monotonabnehmer anzugehen. Unbestreitbar ist, dass eine Unmenge Monoschallplatten existieren, darunter viele einmalige Aufnahmen aus den frühen Tagen der schwarzen Scheibe. Auch wenn man es partout nicht glauben will, wird man bei Durchsicht seiner Sammlung mit Sicherheit monofone Platten finden, sei es aus dem Bereich der Rock- und Popmusik, in dem die frühen Aufnahmen nahezu aller Gruppen in Mono waren, oder im klassischen Revier (das Kollege Martin durchforstet hat), in dem vieles sowohl in Mono als auch in Stereo vorliegt, von den nur monofon existierenden Aufnahmen ganz zu schweigen. Sammler von Jazzmusik suchen oft nur nach Monoplatten. Sie können sich auf einen 20-er-Pack von frühen Blue Note-Scheiben freuen, die Classic Records demnächst bringt.

Für mich waren bisher Monoscheiben reichlich uninteressant, da ich im Stereozeitalter aufgewachsen bin und Mono damals einfach mega-out war. Sie wurden zwangsweise akzeptiert, wenn keine Stereopressung verfügbar war, aber richtig Spaß gemacht haben sie nicht. Das bezieht sich ausschließlich auf die klanglichen Aspekte, so die heutige Erkenntnis. Natürlich wurden diese Platten mit den vorhandenen Stereotonabnehmern abgespielt (mit was denn sonst?) und genau da liegt des Rätsels Lösung – simple technische Bedingungen. Monoplatten sind in reiner Seitenschrift geschnitten, also sind Informationen ausschließlich (!) in der horizontalen Auslenkung enthalten. Alles, was eine vertikale Auslenkung der Nadel bewirkt, wie Schmutz oder Pressrückstände, wird von einem Stereotonabnehmer auch als Signal aufgenommen (das ist nun mal sein Job – nämlich horizontal und vertikal abzutasten) und gelangt, obgleich unerwünscht, zu Gehör. Diese Nichtsignale wirken sich bei der Wiedergabe als nachhaltige Irritationen aus und vergällen regelrecht den Musikgenuss. Diese Beschreibung mag krass erscheinen, trifft aber ins Schwarze. Wer nicht in alten Schätzen wühlen will, kann sich aktuelle Re-Issues anhören … Auch das ist ein Aspekt, der für die Verwendung eines Mono-Tonabnehmers spricht – dass anerkannte Re-Issue-Labels Neuauflagen ganz bewusst in Mono machen. Das ist definitiv keine Retro-Masche (nur dafür wäre ein separates Monoequipment zum Schneiden echter Overkill), sondern zollt den ursprünglichen Aufnahmen den angemessenen Tribut.

Drei Beispiele möchte ich hier vorstellen – Caterina Valente in New York, Jimi Hendrix: Axis bold as love, und (brandneu) Roy Orbison: Lonely and blue. Absichtlich habe ich Platten gewählt, die aktuell käuflich sind. Es nützt herzlich wenig, Scheiben aus meiner Sammlung vorzustellen, die man nicht im Laden kaufen kann – schließlich sollen Sie, der Leser, nachvollziehen können, was uns so fasziniert hat. Wenn man nun so eine Monoscheibe zuerst mit einem Stereosystem spielt und anschließend mit einem Monoabtaster, dann wird drastisch klar, warum es Leute gibt, die auf Mono schwören, denn sämtliche Irritationen sind wie weggeblasen, die Musik bekommt eine kompakte Struktur und entwickelt eine verblüffende Nachdrücklichkeit und Realismus. Räumlichkeit ist reichlich vorhanden (doch, doch) und die Links-Rechts-Ortung der vertrauten Stereotechnik wird überhaupt nicht vermisst.

Die Stimme Caterina Valentes zeigt jetzt ihre ganze (frühe) Klasse, lässt erkennen, warum sie einer der ganz großen Stars geworden ist (nur nicht in Deutschland, wo man sie immer in die Schublade Schlagersängerin steckte) und die Begleitband aus Jazzgrößen jener Zeit, nämlich 1956(!), demonstriert Spielfreude und Können vom Allerfeinsten.

Jimi Hendrix ist ja nun nicht unbedingt jedermanns Sache, aber diese Monoplatte (Classic Records) zeigt sowohl sein Ausnahmekönnen auf der Gitarre als auch ein sehr gekonntes Zusammenspiel des Trios. So zerfahren gerade diese Platte mit einem Stereosystem klingt, so richtig klingt sie in echtem Mono. Die gewollten Verzerrungseffekte der E-Gitarre passen perfekt in den Kontext des jeweiligen Stückes. Eine Glanzleistung (von Classic Records auf 200 g Quiex SV-P) ist auch das jüngste Exemplar dieser drei Beispiele, Roy Orbisons erste LP Lonely and Blue mit Aufnahmen aus den Jahren 1959 und 1960. Das waren überwiegend noch Fremdkompositionen, deren Interpretation aber schon zeigt, wohin sich Orbison entwickeln würde. Eine der besten Pop-Stimmen hatte er schon damals und die dramatisch-theatralischen Arrangements späterer Jahre sind schon gut zu erkennen. Mit einem Stereotonabnehmer stellt sich sofort wieder diese Irritation ein, die ich mittlerweile als unerträglich empfinde. Mit einem Monoabtaster ist man dann in einer anderen Klangwelt, bekommt man ein exzellent strukturiertes Klangbild geboten, das ohne Fehl und Tadel ist. Ein Hörvergnügen der besonderen Art! Ich freue mich schon auf den Vergleich mit der Stereopressung, die auch angekündigt ist.

 

Helmut Rohrwild (HiFi & Records 03/2003)

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