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Reportage STEREO 8/2012

Bei digitalen Medien gilt die Maxime: je hochauflösender das Format, desto besser der Klang. Doch woran erkennt man eine gute Schallplatte?

Auch wenn Hi-Res-Downloads nicht immer mit 24 Bit/96 kHz daherkommen und SACDs vom Bitstrom in ein PCM-Signal gewandelt werden, so ist für den Digitalhörer die Richtung klar. Je höher die Bitrate und Samplingfrequenz, umso natürlicher tönt die Musik. Wer dasselbe Stück auf einer SACD oder per Hi-Resolution-Download gegen CD gehört hat, ist selten anderer Meinung. Beim betagten Medium Schallplatte sind ebenfalls viele Unterschiede zu hören. Doch woran lassen sich in Zeiten, wo Studios digital aufnehmen, diese festmachen? Und wieso klingen Wiederveröffentlichungen so unterschiedlich?

Schon früher, als das „schwarze Gold“ noch der meistverkaufte Tonträger war, verblüfften verschiedene Pressungen mit eigenem Sound, sorgten zum Beispiel Importscheiben im Vergleich zu heimischen Versionen unter Kennern für Gesprächsstoff. Über all dem stellte die audiophile 180-Gramm-Pressung die Krönung der Wiedergabegüte dar. Erinnert sei da nur an die großartigen Sheffield-Produktionen aus den 80er jahren, die von Tonmeister-Gurus wie Doug Sax abgemischt wurden. Zwar musste man einiges dafür im HiFi-Laden auf den Tresen legen, wurde dafür aber später zu Hause mit bestem Ton reichlich belohnt. Heute stapeln sich mehr 180-Gramm-Scheiben als jemals zuvor in den Regalen, von günstig bis teuer. Klanglich sind jedoch viele Enttäuschungen dabei.

Marketingmasche 180 Gramm und Virgin Vinyl?

Klar ist es erstmal erfreulich, dass heute wieder eine größere Anzahl von Alben auf Schallplatte erscheinen – neues wie auch altes Material. In Zeiten, wo Downloads der CD Stück für Stück den Ersten Platz streitig machen, ist die treue „Schwarzhörer“-Gemeinde froh über diesen Trend. Und wenn jemand ein Popalbum – beispielsweise von Lana Del Ray – als Schallplatte besitzen möchte, bei dem ist vielleicht die klangliche Erwartungshaltung nicht allzu hoch.

Dem Jazzfan jedoch, der etwa eine der vielen Wiederveröffentlichungen vom Kultlabel Blue Note für kleines Geld endlich sein Eigen nennen kann, stößt der fade und technisch klingende Sound trotz des üppigen Gewichts sauer auf. Da braucht man nicht mal die originalen Erstpressungen, die superb klingen, aber kaum oder nur zu Liebhaberpreisen zu haben sind, gegenzuhören. Auch dünne deutsche Pressungen alter Tage klingen authentischer. Ist das schwere Vinyl also zur Marketingmasche geworden? Oder können die Labels einfach keine lupenreinen Scheiben mehr produzieren?

Flo Kaufmann, Mitbegründer von Vinylium – eine Firma, die sich auf Reparaturen von Schneidköpfen der Schneidemaschinen spezialisiert hat –, sieht einen Grund bei der vor Dekaden geschrumpften Branche und den geringen Umsätzen. „Kleine Firmen können weder die hohen Preise für den Service bezahlen, noch die Galvanik immer auf dem optimalen Stand halten.“ Also jenen Prozess, in dem die vom Schneidstudio ans Presswerk geschickten Lackfolien in Bäder getaucht werden, um unter Stromzufuhr Nickelkopien zu ziehen, die als Pressmatrize dienen. „Ein großes Presswerk hatte früher in der Regel einen Chemiker oder Galvaniseur angestellt, der die Bäder konstant überwachte, die damals im Dauergebrauch waren. Das ist heute sicher nicht mehr der Fall. Auch deswegen sind die Pressungen längst nicht mehr so gut.“

Als eine weitere Hürde im Produktionsprozess von heute nennt Hermann Hoffmann vom Vertrieb Audio Int’l die digitale Vorlage, die meistens von den Studios auf DVD gebrannt den Presswerken gereicht wird. Original Masterbänder oder Kopien sind eher die Ausnahme. Kostet doch schon allein die Versicherung beim Versand der Kostbarkeiten erhebliche Summen. Nur wenige Perfektionisten scheuen keinen Aufwand, was sich natürlich auch im Preis der LPs widerspiegelt.

 

 

Deutliche Klangunterschiede gibt es beim legendären Country-Album von Willie Nelson zu hören.

 

Deutliche Klangunterschiede gibt es beim legendären Country-Album von Willie Nelson zu hören.

Wir haben uns die Unterschiede anhand zweier Wiederveröentlichungen von „Red Headed Stranger“, dem legendären Country-Album von Willie Nelson, angehört. Während die Wiederauflage von Music On Vinyl Legacy recht fade und unterkühlt daherkommt, füllt die von Impex angebotene Pressung den Raum mit satten Klangfarben. Hier wird die Brisanz der Geschichte greifbar. Vor allem im Bass geht es nun ganz anders zur Sache – der rollt fast den Boden auf. Dieser Proband wurde laut Hoffmann von den original Masterbändern gezogen. Die kraftvoll-kernige Wiedergabe erkennt man auch bei der Live Einspielung von Miles Davis’ „Friday And Saturday Nights At the Black Hawk“, erschienen ebenfalls bei Impex. So klar umrissen sind hier alle Beteiligten dargestellt, so sauber und herzerwärmend kommt der unverkennbare Ton aus Davis’ Trompete, dass es den Zuhörer schüttelt. Unsere alte niederländische Pressung sah dagegen jedenfalls sehr blass aus.

 

 

Live, kraftvoll, kernig: Miles Davis’ „Friday And Saturday Nights At the Black Hawk“.

 

 

Live, kraftvoll, kernig: Miles Davis’ „Friday And Saturday Nights At the Black Hawk“.

Es gibt kein allgemein gültiges Erkennungsmerkmal

Selbstverständlich ist ein analoges Masterband nicht Voraussetzung für gelungenen Vinylklang, dies beweist unsere STEREO Hörtest-Edition, deren Master in Hi-Resolution vom Acousence Label produziert wurde, oder auch etliche Platten von Stockfisch Records, die im DMM-Verfahren hergestellt sind. Aber worauf achtet man denn nun, wie bekommt man die Infos zu den jeweiligen Pressungen?

Das lässt sich leider selten – und wenn, dann nur durch sorgfältige, zeitintensive Recherche – herausfinden. Etliche Zahnräder müssen perfekt zusammenlaufen, um später guten Klang entstehen zu lassen. Dieser reicht vom perfekten Abmischen im Studio über den Erhaltungszustand der Schneidköpfe bis hin zur fehlerfreien Matrize und der Qualität des PVC-Granulats, aus dem die Vinylträume letztlich bestehen.

 

„Remastert von den original Analog-Masterbändern durch Bernie Grundmann, geschnitten auf 45er- „Virgin Vinyl“, verpackt in stabilem Holzcover mit eingravierter Seriennummer auf einem Messingschild, bietet sie alles, was das Sammlerherz begehrt.
STEREO 5/2012

 

„Remastert von den original Analog-Masterbändern durch Bernie Grundmann, geschnitten auf 45er- „Virgin Vinyl“, verpackt in stabilem Holzcover mit eingravierter Seriennummer auf einem Messingschild, bietet sie alles, was das Sammlerherz begehrt.
STEREO 5/2012

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„The fabulous Johnny Cash“ (Impex Records), remastered 2011 von den Original Bändern durch Kevin Gray. Ähnlich der Erfahrung mit „The Red Headed Stranger“ gestaltet sich ein Vergleich mit der Version von Doxy Records. In der IMPEX Version steht Johnny Cash hautnah vor Ihnen, während die Doxy Version an das MP3 Format erinnert.

„The fabulous Johnny Cash“ (Impex Records), remastered 2011 von den Original Bändern durch Kevin Gray. Ähnlich der Erfahrung mit „The Red Headed Stranger“ gestaltet sich ein Vergleich mit der Version von Doxy Records. In der IMPEX Version steht Johnny Cash hautnah vor Ihnen, während die Doxy Version an das MP3 Format erinnert.

Und ein Mount Everest des klanglich Machbaren:

Drei Alben des japanischen Kultlabels Three Blind Mice aus den 70ern sind jetzt als 45er-6-LP-Set auf Boxstar zu haben. „Blow Up“ von Isao Susuki, „Misty“ und „Midnight Sugar“ – beide von der Pianistin Tsuyoshi Yamamoto – vereint in einer Traumbox. Letztgenannter Titel in der Jubiläumspressung von Cisco war bislang unsere Referenz. Nie und nimmer hätten wir es für möglich gehalten, dass die Dynamik, die Raumausleuchtung noch getoppt werden können – und wurden doch eines Besseren belehrt. Es ist überflüssig, in diesem Fall nach dem Ursprung zu fragen. Hier spielt die Signatur des Masters.

H.-W. Kleinschmidt / STEREO 8/2012

Reportage STEREO 8/2012

Bei digitalen Medien gilt die Maxime: je hochauflösender das Format, desto besser der Klang. Doch woran erkennt man eine gute Schallplatte?

Auch wenn Hi-Res-Downloads nicht immer mit 24 Bit/96 kHz daherkommen und SACDs vom Bitstrom in ein PCM-Signal gewandelt werden, so ist für den Digitalhörer die Richtung klar. Je höher die Bitrate und Samplingfrequenz, umso natürlicher tönt die Musik. Wer dasselbe Stück auf einer SACD oder per Hi-Resolution-Download gegen CD gehört hat, ist selten anderer Meinung. Beim betagten Medium Schallplatte sind ebenfalls viele Unterschiede zu hören. Doch woran lassen sich in Zeiten, wo Studios digital aufnehmen, diese festmachen? Und wieso klingen Wiederveröffentlichungen so unterschiedlich?

Schon früher, als das „schwarze Gold“ noch der meistverkaufte Tonträger war, verblüfften verschiedene Pressungen mit eigenem Sound, sorgten zum Beispiel Importscheiben im Vergleich zu heimischen Versionen unter Kennern für Gesprächsstoff. Über all dem stellte die audiophile 180-Gramm-Pressung die Krönung der Wiedergabegüte dar. Erinnert sei da nur an die großartigen Sheffield-Produktionen aus den 80er jahren, die von Tonmeister-Gurus wie Doug Sax abgemischt wurden. Zwar musste man einiges dafür im HiFi-Laden auf den Tresen legen, wurde dafür aber später zu Hause mit bestem Ton reichlich belohnt. Heute stapeln sich mehr 180-Gramm-Scheiben als jemals zuvor in den Regalen, von günstig bis teuer. Klanglich sind jedoch viele Enttäuschungen dabei.

Marketingmasche 180 Gramm und Virgin Vinyl?

Klar ist es erstmal erfreulich, dass heute wieder eine größere Anzahl von Alben auf Schallplatte erscheinen – neues wie auch altes Material. In Zeiten, wo Downloads der CD Stück für Stück den Ersten Platz streitig machen, ist die treue „Schwarzhörer“-Gemeinde froh über diesen Trend. Und wenn jemand ein Popalbum – beispielsweise von Lana Del Ray – als Schallplatte besitzen möchte, bei dem ist vielleicht die klangliche Erwartungshaltung nicht allzu hoch.

Dem Jazzfan jedoch, der etwa eine der vielen Wiederveröffentlichungen vom Kultlabel Blue Note für kleines Geld endlich sein Eigen nennen kann, stößt der fade und technisch klingende Sound trotz des üppigen Gewichts sauer auf. Da braucht man nicht mal die originalen Erstpressungen, die superb klingen, aber kaum oder nur zu Liebhaberpreisen zu haben sind, gegenzuhören. Auch dünne deutsche Pressungen alter Tage klingen authentischer. Ist das schwere Vinyl also zur Marketingmasche geworden? Oder können die Labels einfach keine lupenreinen Scheiben mehr produzieren?

Flo Kaufmann, Mitbegründer von Vinylium – eine Firma, die sich auf Reparaturen von Schneidköpfen der Schneidemaschinen spezialisiert hat –, sieht einen Grund bei der vor Dekaden geschrumpften Branche und den geringen Umsätzen. „Kleine Firmen können weder die hohen Preise für den Service bezahlen, noch die Galvanik immer auf dem optimalen Stand halten.“ Also jenen Prozess, in dem die vom Schneidstudio ans Presswerk geschickten Lackfolien in Bäder getaucht werden, um unter Stromzufuhr Nickelkopien zu ziehen, die als Pressmatrize dienen. „Ein großes Presswerk hatte früher in der Regel einen Chemiker oder Galvaniseur angestellt, der die Bäder konstant überwachte, die damals im Dauergebrauch waren. Das ist heute sicher nicht mehr der Fall. Auch deswegen sind die Pressungen längst nicht mehr so gut.“

Als eine weitere Hürde im Produktionsprozess von heute nennt Hermann Hoffmann vom Vertrieb Audio Int’l die digitale Vorlage, die meistens von den Studios auf DVD gebrannt den Presswerken gereicht wird. Original Masterbänder oder Kopien sind eher die Ausnahme. Kostet doch schon allein die Versicherung beim Versand der Kostbarkeiten erhebliche Summen. Nur wenige Perfektionisten scheuen keinen Aufwand, was sich natürlich auch im Preis der LPs widerspiegelt.

 

 

Deutliche Klangunterschiede gibt es beim legendären Country-Album von Willie Nelson zu hören.

 

Deutliche Klangunterschiede gibt es beim legendären Country-Album von Willie Nelson zu hören.

Wir haben uns die Unterschiede anhand zweier Wiederveröentlichungen von „Red Headed Stranger“, dem legendären Country-Album von Willie Nelson, angehört. Während die Wiederauflage von Music On Vinyl Legacy recht fade und unterkühlt daherkommt, füllt die von Impex angebotene Pressung den Raum mit satten Klangfarben. Hier wird die Brisanz der Geschichte greifbar. Vor allem im Bass geht es nun ganz anders zur Sache – der rollt fast den Boden auf. Dieser Proband wurde laut Hoffmann von den original Masterbändern gezogen. Die kraftvoll-kernige Wiedergabe erkennt man auch bei der Live Einspielung von Miles Davis’ „Friday And Saturday Nights At the Black Hawk“, erschienen ebenfalls bei Impex. So klar umrissen sind hier alle Beteiligten dargestellt, so sauber und herzerwärmend kommt der unverkennbare Ton aus Davis’ Trompete, dass es den Zuhörer schüttelt. Unsere alte niederländische Pressung sah dagegen jedenfalls sehr blass aus.

 

 

Live, kraftvoll, kernig: Miles Davis’ „Friday And Saturday Nights At the Black Hawk“.

 

 

Live, kraftvoll, kernig: Miles Davis’ „Friday And Saturday Nights At the Black Hawk“.

Es gibt kein allgemein gültiges Erkennungsmerkmal

Selbstverständlich ist ein analoges Masterband nicht Voraussetzung für gelungenen Vinylklang, dies beweist unsere STEREO Hörtest-Edition, deren Master in Hi-Resolution vom Acousence Label produziert wurde, oder auch etliche Platten von Stockfisch Records, die im DMM-Verfahren hergestellt sind. Aber worauf achtet man denn nun, wie bekommt man die Infos zu den jeweiligen Pressungen?

Das lässt sich leider selten – und wenn, dann nur durch sorgfältige, zeitintensive Recherche – herausfinden. Etliche Zahnräder müssen perfekt zusammenlaufen, um später guten Klang entstehen zu lassen. Dieser reicht vom perfekten Abmischen im Studio über den Erhaltungszustand der Schneidköpfe bis hin zur fehlerfreien Matrize und der Qualität des PVC-Granulats, aus dem die Vinylträume letztlich bestehen.

 

„Remastert von den original Analog-Masterbändern durch Bernie Grundmann, geschnitten auf 45er- „Virgin Vinyl“, verpackt in stabilem Holzcover mit eingravierter Seriennummer auf einem Messingschild, bietet sie alles, was das Sammlerherz begehrt.
STEREO 5/2012

 

„Remastert von den original Analog-Masterbändern durch Bernie Grundmann, geschnitten auf 45er- „Virgin Vinyl“, verpackt in stabilem Holzcover mit eingravierter Seriennummer auf einem Messingschild, bietet sie alles, was das Sammlerherz begehrt.
STEREO 5/2012

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„The fabulous Johnny Cash“ (Impex Records), remastered 2011 von den Original Bändern durch Kevin Gray. Ähnlich der Erfahrung mit „The Red Headed Stranger“ gestaltet sich ein Vergleich mit der Version von Doxy Records. In der IMPEX Version steht Johnny Cash hautnah vor Ihnen, während die Doxy Version an das MP3 Format erinnert.

„The fabulous Johnny Cash“ (Impex Records), remastered 2011 von den Original Bändern durch Kevin Gray. Ähnlich der Erfahrung mit „The Red Headed Stranger“ gestaltet sich ein Vergleich mit der Version von Doxy Records. In der IMPEX Version steht Johnny Cash hautnah vor Ihnen, während die Doxy Version an das MP3 Format erinnert.

Und ein Mount Everest des klanglich Machbaren:

Drei Alben des japanischen Kultlabels Three Blind Mice aus den 70ern sind jetzt als 45er-6-LP-Set auf Boxstar zu haben. „Blow Up“ von Isao Susuki, „Misty“ und „Midnight Sugar“ – beide von der Pianistin Tsuyoshi Yamamoto – vereint in einer Traumbox. Letztgenannter Titel in der Jubiläumspressung von Cisco war bislang unsere Referenz. Nie und nimmer hätten wir es für möglich gehalten, dass die Dynamik, die Raumausleuchtung noch getoppt werden können – und wurden doch eines Besseren belehrt. Es ist überflüssig, in diesem Fall nach dem Ursprung zu fragen. Hier spielt die Signatur des Masters.

H.-W. Kleinschmidt / STEREO 8/2012

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