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AEC London Series

DECCA-Legende

In der High Society legendärer Tonabnehmer wie Ortofon’s SPU, EMT’s TSD 15 oder Denon’s DL-103 bewegt es sich auf gleicher Ohrenhöhe. Und seine Fan-Gemeinde hat dieses Spitzenerzeugnis des britischen Traditionslabels über Jahrzehnte analoger Schallplatten-Geschichte hinweg stets in Ehren gehalten: das DECCA-Sytem.

Um die fünfeckigen DECCAs ranken sich viele Legenden. Man kann über kaum einen anderen Tonabnehmer so viele gegensätzliche Meinungen im Internet lesen. Als würde man es einmal mit Dr. Jekyll, ein anderes Mal mit Mr. Hide zu tun haben. Diese Kontroverse mag mit dafür verantwortlich sein, dass die DECCA-Systeme von einigen „Analogis“ misstrauisch beäugt werden. Indes haben einige namhafte Größen der HiFi-Szene das Potenzial der britischen Generatoren erkannt: So z.B. die HiFi-Autoren Ken Kessler und Helmut Rohrwild oder die Plattenspieler Entwickler Mike Moore (Source/Odyssey) und Mister Hadcock, dessen Tonarm GH228 an den DECCAs entwickelt wurde; 
und last but not least die australischen Garrott Brothers, die bis zu ihrem tragischen Tod die Systeme aus London feingetuned haben. Es ist sicher an der Zeit, ein bisschen Licht in dieses Halbdunkel zu bringen.

Kriegsgeschichte

„Der Krieg ist der Vater aller Dinge“, sagt man. Für Produkte der Firma Decca trifft das in gewissem Maße zu. So produzierte das Unternehmen während des Ersten Weltkrieges einen tragbaren Schellack-Plattenspieler, den die Soldaten an der Front in den Schützengräben benutzen konnten. Erst 1929 stieg Decca ins Plattengeschäft ein. Damals konnte freilich noch niemand ahnen, dass Decca zu einem der größten Schallplattenlabels der Welt werden würde, dem wir bis heute eine Fülle hervorragender Aufnahmen verdanken.

Man kann sagen, dass Decca sich zuerst um die Hardware verdient gemacht und dabei entscheidende Verbesserungen in der Musikwiedergabe eingeführt hat. Herausragende Neuerungen sind neben der Notwendigkeit zur Verbesserung auch immer mit herausragenden Köpfen verbunden. Einer dieser Köpfe gehörte Arthur Haddy, der
von vielen als Father Of High Fidelity angesehen wird. Die „Notwendigkeit“ ergab sich, weil die britische Marine Probleme damit hatte, deutsche von britischen U-Booten mit Hilfe des Sonar zu unterscheiden. Um das zu bewerkstelligen, musste der Frequenzbereich der Sonarsysteme erweitert werden, und zwar durch drastische Verschiebung des Frequenzbereiches von 8 kHz auf 15 kHz. So vergab das RAF Marine Command an Decca den streng geheimen Regierungsauftrag, ein solches System zu entwickeln. Daneben sollte Haddy die bestehenden Aufnahmeverfahren verfeinern und Schallplatten produzieren, die es erlaubten, die subtilen akustischen Unterschiede zwischen den verschiedenen U-Boottypen den Sonartechnikern schon an Land hörbar zu vermitteln. Dazu mussten natürlich die vorhandenen Schneidköpfe für diesen erweiterten Frequenzbereich angepasst werden. Haddy selbst entwickelte mit dem FR-1 ein entsprechendes Mikrofon. Das komplette System nannte Haddy „Full-Frequency-Range Recording“ und ist noch heute jedem Analog-Fan aus dem Kürzel ffrr von den alten Mono-Schallplatten her bekannt.

Die Goldenen Jahre

Nach dem Krieg ermunterten die DECCA-Bosse ihren technischen Direktor, die neuen Errungenschaften für friedlichere Zwecke weiter zu entwickeln. Es war ja im Grunde alles da: Man hatte ein Plattenlabel, Schneidköpfe und Mikrofone, die ffrr-tauglich waren.

Jetzt musste man nur noch die Hörer mit entsprechendem Equipment ausstatten und ebenfalls ffrr-tauglich machen. Und so entwickelten die beiden DECCA-Ingenieure Cowie und Bayliff Anfang der 50er Jahre ihren ersten Tonabnehmer, dessen technische Grundlagen auch heute noch in den aktuellen Tonabnehmern Verwendung finden. Sie werden weiter unten näher beschrieben. Die ersten Varianten (Mk I mono, sphärisch; Mk II stereo, sphärisch; Mk III stereo, elliptisch) waren im wahrsten Sinne des Wortes Tonköpfe. Das heißt, sie kamen ohne die heute übliche ½-Zoll-Befestigung aus und wurden direkt auf den gleichzeitig entwickelten Decca Professional Tonarm aufgesteckt. Dieser Tonarm hatte mit dem gerade bei Selbstbauern weit verbreiteten und beliebten Decca International Tonarm wenig gemein. Die Urversion, die jeder kennt, der einmal auf die Rückseite der Platten-Covers alter Decca LXTs oder SXLs geschaut hat, war kardanisch gelagert. Vergleicht man ihn mit den gängigen Tonarmen der 50er Jahre, dann muss man konstatieren, dass es sich definitiv um ein State Of The Art Design handelte.

Man kann sich heute kaum mehr vorstellen, was die Erweiterung des Frequenzbereichs in der Audiotechnik bedeutete. Es muss für die Hörer ein regelrechter Schock gewesen sein, Stimmen, die sie vorher nur gnadenlos reduziert von Schellackplatten her kannten, nun in großer Klarheit und völlig unverzerrt hören zu können.
Damit man die alten Decca-Abtaster Mark I – III auch an den weit verbreiteten Bajonett-Anschlüssen verwenden konnte, hat SME übrigens einen heutzutage äußerst raren Adapter hergestellt. Ab der Mk IV-Version war das nicht mehr nötig. Die Bauform der Systeme war grundlegend geändert worden. Von nun an waren die Deccas ½-Zoll-kompatibel.

Übrigens gab es (wohl nur kurzzeitig) ein keramisches System namens DECCA-Deram mit sagenhaften 50 mV Ausgangsspannung, für den sogar eine spezielle Variante des Professional-Tonearm existierte.

Doch die allgemeine Entwicklung von Tonarmen und Tonabnehmern blieb nicht stehen. Um den Plattenverschleiß zu minimieren und um die Abtasteigenschaften zu verbessern, war es ab den 70er Jahren allgemein üblich, die Masse der Tonarme und Systeme drastisch zu reduzieren. Diesen Schritt machte Decca mit der Entwicklung der Mk V Version, deren fünfeckige Blechgehäuse nach wie vor verwendet werden. Der einpunktgelagerte Decca International Tonearm stammt ebenfalls aus dieser Zeit.

Die Neuzeit


Das Blue des Authors an einem Manticore Magican

Bis Ende der Achtziger Jahre wurden die Systeme von der Special Products-Abteilung der Decca hergestellt, die später allerdings aufgelöst werden sollte. Dem Decca-Ingenieur John Wright ist es zu verdanken, dass die fünfeckigen Tonabnehmer nicht für immer im Mülleimer der Geschichte landeten. Zwar durfte er seine eigene Firma nicht mit dem prestigeträchtigen Namen DECCA schmücken, aber London Special Products hatte auch etwas für sich, wenn auch zumal in Deutschland eher etwas Komisches, da es hier eine Firma gab, die ebenfalls die britische Hauptstadt im Namen führte. (Es handelte sich um gewisse, den Päpsten nicht genehme Zubehörartikel aus dem Hygiene-Bereich). John Wright störte das indes wenig. Er überließ den weltweiten Vertrieb der Firma Presence Audio (von der auch der deutsche Vetrieb „Audio Int’l“ seine Tonabnehmer bezieht) und konnte weiter an der Verbesserung der Systeme arbeiten. So erblickten 1992 das Jubilee und 2004 das Reference das Licht der Welt, deren auffälligste Veränderung (neben den signifikanten klanglichen Verbesserung) vor allem in einem optimierten Gehäuse besteht.

Babylonische Verwirrungen …

Babylonische Verwirrungen entstanden sowohl durch die Namenswahl der verschiedenen Modelle, als auch durch den Eigentümerwechsel der Special Products-Abteilung. Eigentlich müsste man heute eher von LONDONS als von DECCAS reden. Hinzu kommt, dass die Firma AEC die Systeme international AEC C 91 nennt und eine andere Farbcodierung verwendet. Daneben wurden im Laufe der Zeit immer wieder kleinere Veränderungen, z.B. an den Spulen und bei den verwendeten Nadelschliffen eingeführt, so dass von der Mk-V-Version und ihren Nachfolgern verschiedene Varianten existieren. Grundsätzlich kann man die Systeme an ihren Gehäusefarben identifzieren. Die erste Version war wohl das Blue, das mit einer sphärischen Nadel ausgestattet war. Dessen selektierte Exportversion hieß Grey (ebenfalls mit sphärischem Schliff), und wurde von Fa. AEC in schwarz weitergeführt. Das Gold dagegen besaß einen elliptischen Nadelschliff.

Später erschien das Super Gold, das ursprünglich mit Van den Hul I, alternativ auch mit der etwas „harmloseren“ VdH II-Nadel erhältlich war. Das Blue wurde später von dem verfeinerten Maroon abgelöst und die Van den Hul-Nadel des Super Gold durch einen Extended Fine Line-Schliff ersetzt. Daneben wird seit kurzem wieder eine schwarze Mono-Version angeboten. In Deutschland tragen die Systeme andere Bezeichnungen: das Maroon wurde zum Black, das Gold zum Silver. Nur das Super Gold bleibt ein Super Gold. Einhelligkeit herrscht dagegen bei den von John Wright neu entwickelten Systemen Jubilee und Reference.

So weit, so gut. Aber es existieren auch Zwitterversionen. Ob diese von den Special Products so hergestellt worden waren oder nachträglich beim Aufarbeiten alter Systeme entstanden sind, lässt sich im Einzelfall kaum klären. Jedenfalls beschreibt z.B. Mark Wheeler von TNT-Audio, dass sein Blue zumindest teilweise Maroon-Innereien hat. Mein eigenes Blue hat definitiv eine elliptische Nadel und eine deutlich größere Ausgangsspannung als die angegebenen 5 mV/cm. Hinzukommen die verschiedenen Modelle, die von den Garrott Brothers verändert worden sind. So besitzt das abgebildete Maroon eine PAROC- Nadel. Sofern noch vorhanden, kann man die Garrott-Varianten immerhin am Aufkleber erkennen.

Technik im Detail


Tonkopf Decca ffrr Mk. I

Gleichgültig ob Mk I-Version, Black oder Reference: die verwendete Technik ist grundsätzlich die gleiche. Zwar verwendet z.B. auch Grado das Prinzip des bewegten Weicheisenteilchens, aber die technische Realisation in den Deccas ist nach wie vor weltweit einzigartig. Und die verzichtet auf die Verwendung eines Nadelträgers. Das kann beim ersten Kennen lernen zu Irritationen führen. So habe ich nach Entfernung des Nadelschutzes, einem Teil, das diesen Namen wirklich verdient, (man hat schier den Eindruck, damit Nägel in die Wand schlagen zu können), allen Ernstes geglaubt, ich hätte das System bereits ruiniert, ohne es überhaupt gehört zu haben. Beim genaueren Hinsehen, erkannte ich dann zu meiner Erleichterung, dass die winzig kleine Diamantspitze doch noch unter dem Korpus heraus lugte.


Tonkopf: Decca ffr Mk. I

Der Diamant befindet sich an dem nach unten gerichteten, senkrechten Teil eines L-förmigen Eisenbleches, das zuerst durch die von unten sichtbare Spule geführt wird, die von zwei Magneten flankiert wird. Diese Spule-Magnet- Anordnung nimmt die horizontalen Bewegungen auf und würde alleine ausreichen, Mono-Schallplatten abzutasten, die ja nur im Seitenschriftverfahren moduliert sind. Und tatsächlich sind die modernen Stereo-Abtaster von Decca auf diese Weise entstanden: man erweiterte schlicht die vorhandenen Mono-Systeme um zwei weitere Spulen und einen Magneten mit zwei Polstücken, unter denen sich der waagerechte Teilstrich des L-förmigen Eisenbleches bewegt. Diese Spulen-Magnet-Einheiten nehmen die senkrechten Bewegungsanteile auf. Da sich das gebogene Eisenblech leichter noch oben und nach unten, als nach links und nach rechts auslenken lässt (wie jeder anhand einer gefalteten Pappe nachvollziehen kann), erklärt dies die unterschiedlichen Nadelnachgiebigkeiten in der Waagerechten und in der Senkrechten. Das dürfte eines der am schwersten zu lösenden technischen Probleme bei der Konstruktion gewesen sein. Das erklärt auch die Vorliebe der Decca-Systeme für silikon-gedämpfte Tonarme, die mittels der Dämpfung diesen Effekt etwas abmildern können.


High End aus den 60ern: Decca Professional Tonearm

Hohe Ausgangsspannung

Durch die Bewegung des Eisenbleches wird die Stärke des magnetische Feldes in den fx montierten Spulen-Magnet- Anordnungen verändert und so ein elektrischer Strom in den Spulen induziert. Sie liefern mit 5 mV bei einer Schnelle von 5 cm/s genügend Spannung, um am MM-Eingang betrieben zu werden. Allerdings verlangen die Deccas nach einer elektrischen Bedämpfung, die mittels eines reduzierten Eingangswiderstands von 15 kOhm geschieht. Um diese bei einem 47 kOhm MM-Eingang zu erzielen, muss man einfach in einem geeigneten Cinch-Stecker einen 22 kOhm Widerstand zwischen Masse- und Signalpin einlöten. Damit der Diamant samt Eisenblech nicht mit der Bewegung der Schallplatte mitgerissen wird, hält ein zwingend notwendiger Spannfaden den Diamanten stets im richtigen Winkel zur Plattenoberfläche, was einen erwünschten Nebeneffekt mit sich bringt: Das berüchtigte time smearing, wie es den MM-Systemen mit auswechselbarem Nadeleinschub nachgesagt wird, hat auf diese Weise keine Chance. Nachteil der Sache: ein einfacher Nadelwechsel ist nicht möglich.


Selten: SME-Adapter für Decca Tonköpfe.

Aber wie entsteht nun ein korrektes Stereosignal? Immerhin sind die ‚T-förmige‘ Anordnung der Spulen von den ‚X‘-förmigen Bewegungen des Schneidstichels, die er beim Schneiden der Matrize macht, um 45 ° verschoben. Es geschieht durch eine clevere Verschaltung der drei Spulen, die eine Addition bzw. Subtraktion der gelieferten Signale bewirkt und ein korrektes Links-Rechts-Stereosignal an die drei Ausgangspins liefert. Wie man an der Schaltplanskizze erkennt, gibt es nur einen Massepunkt. Das heißt aber auch, dass ein Masseanschluss des Tonarmkabels überflüssig ist.


Im Kreise der Lieben: 4 Deccas und ein Bracket

Apropos Justage

Die Justage ist etwas heikel. Da die Nadel sehr weit unter dem Systemkörper verborgen ist, hat man Mühe, sie korrekt auf die Nulldurchgänge einer Schablone aufzusetzen. Ich habe dazu stets meinen Plattenspieler auf den Wohnzimmertisch gestellt, so dass ich von zwei unterschiedlichen Richtungen unter das System schauen konnte. Ein Trick, mit dem sich die Justage vereinfachen lässt, besteht darin, mit einem Filzstift an den Seiten des Nadelschutzes Markierungen anzubringen, um beim eigentlichen System den Sitz der Nadel anzuzeigen. So kann man bereits grob abschätzen, wo man mit den Schrauben im Langloch landen wird. Besitzer eines Decca International Tonarms haben es besonders leicht, da für diesen Arm eine spezielle Schablone existiert, auf welcher der Nadelschutz im Umriss abgebildet ist. Man muss das System mit aufgesetztem Nadelschutz nur so lange verschieden, bis es passt.

Doch zuerst schraubt man einfach den roten Plastikhalter – Bracket genannt – der praktischerweise mit Gewinden ausgestattet ist, wie gewohnt an seinen Tonarm, bevor man das System von unten aufschiebt. Alternativ kann man einen resonanz-vermindernden, aus dem Vollem gefrästen Aluminumdeckel bestellen, der Decapod genannt wird. Mit dem Decapod ist ein Decca wie jeder andere Tonabnehmer handhabbar. Allerdings kann man dann nicht den praktischen Vorteil des Bracket nutzen, der es ermöglicht, binnen Sekunden Systeme auszutauschen und miteinander zu vergleichen. Will man zu Hause nicht den HiFi-Tester spielen, könnte man auch auf die Idee kommen, sich neben einem Stereosystem die Monovariante zuzulegen, um sehr einfach mit nur einem Tonarm sowohl Stereo- als auch Mono-LPs zu genießen. Das funktioniert natürlich nur, weil die unterschiedlichen Deccas gleich schwer sind und die gleiche Auflagekraft benötigen. Angegeben ist ein Bereich 
von 15 bis 20 mN; allgemein werden 22 mN empfohlen.

Wie klingt’s denn nun?


Decca von unten

Ob man sich nun für ein Black oder Super Gold entscheidet, ist letztendlich gleichgültig; denn sie haben beide die Fähigkeit, Musik so unglaublich direkt, dynamisch und detailreich wiederzugeben, dass es einem mitunter den Atem verschlägt. Ich persönlich halte sie für die dynamischsten Systeme, die es gibt. Dabei verfügen sie über einen geradezu sensationell zu nennenden Bass, der an Tiefe und Präzision eigentlich keine Wünsche offen lässt. Stimmwiedergabe klingt ehrlich und plastisch, aber nicht vordergründig. Der Hochtonbereich ist detailreich und offen – selbst bei dem nur mit einer Rundnadel ausgestatteten Black. Ich persönlich würde sogar das Black einem Super Gold mit Van den Hul I-Nadel vorziehen, da diese in einem Decca manchmal ein bisschen zu viel des Guten tut und bei kritischen Platten leicht ins Nervige umschlagen kann.


Decca von innen

Die neue Extended Fine Line-Nadel, die ich allerdings noch nicht in meiner Anlage hören durfte, hat dieses Problem nicht mehr. Einen schönen Mittelweg zwischen Black und Super Gold geht hier mein Blue, dass mit seiner elliptischen Nadel weitgehend einem aktuellen Silver entspricht. Aber die Krönung der Systeme, die ich bei mir zuhause vergleichen konnte, ist zweifellos das Garrott Maroon mit seiner PAROC-Nadel. Neben den beschriebenen Eigenschaften bekommen Stimmen mit diesem System einen Glanz und eine Aura, die einen regelrecht gefangen nimmt und die ich in dieser Form nur von großen Moving Coils und ganz feinen – leider nicht mehr erhältlichen Moving Magnets – her kenne.


Bracket

Dieses Flair geht den kleineren Deccas ein wenig ab. Es wäre wohl auch etwas zuviel verlangt… Trotzdem ist es schade, dass die wunderbare PAROC-Nadel nicht mehr produziert wird. Wer diese Aura erleben und auf die anspringende Lebendigkeit nicht verzichten will, muss zum Jubilee oder gar zum Reference greifen, die allerdings ihren Preis haben. Ich konnte diese Super-Deccas hören: Unfassbar, wie es John Wright gelungen ist, die Technik dieser Systeme so zu verfeinern, dass sie einen Vergleich mit den besten MCs absolut nicht zu scheuen brauchen.

 

Entscheidende Quizfragen


Decca von vorne

Zurück auf den Boden der bezahlbaren Tatsachen! Braucht man zum Betrieb eines DECCA einen teuren High-End- Plattenspieler? Nicht unbedingt! Die preiswerteste Lösung dürfte wohl ein Decca International Tonearm sein (wird derzeit nicht mehr produziert; Restposten kann man immer noch für ca. 60€ bei New Old Stock kaufen), der z. B. auf einem Lenco L75 oder gar einem Eigenbaulaufwerk montiert wird. Aber selbst die Kombination Thorens TD 320 mit einem TP 90 kann schon überzeugen.

Überhaupt Tonarme: Aufgrund der unterschiedlichen vertikalen und lateralen Nadelnachgiebigkeit sind gedämpfte Einpunktgelagerte (wie der Decca) ein guter Tipp. Empfehlenswerter wäre ein Hadcock GH 228, der ja an den Deccas entwickelt wurde. Auch gut, aber nicht gerade billig, soll der VPI Tonarm sein. Wenn man etwas Mut zum Risiko hat, kann man auch nach einem gebrauchten Decca bei eBay Ausschau halten. Gut erhaltene Exemplare landen meist bei 200 € (+/- 50 €). Es wechselten aber auch schon Schnäppchen für 50 € den Besitzer. Ich selbst konnte das Gefeilsche nicht abwarten und habe mein Blue gleich bei einem seriös wirkenden amerikanischen Gebrauchthändler für 199 $ gekauft.
Mit Versand und Überweisungsgebühren kam ich bei dem aktuellen günstigen Dollarkurs auf gut 200 €. Und sollte man


Drei Spulen und eine Masse ergeben Stereo

wirklich ein abgenudeltes Exemplar erwischt haben oder ist die Nadel einfach abgespielt (jeder Tonabnehmer ist letztlich ein Verschleißteil), dann schickt man es zu Audio Int’l nach Frankfurt und lässt es für ca. 400 € aufarbeiten. Das Decca wird binnen zwei bis drei Wochen nicht nur mit einer neuen Nadel ausgestattet (Len Gregory verwendet einen Complex Line Contact Schliff), sondern einer kompletten General- Überholung unterzogen. Das ist auch nicht teurer, als würde man bei einem hochwertigen MM-System eine Ersatznadel kaufen. Auf diese Weise erhält man aber ein System zurück, dass eher besser klingt als zuvor.

Trotz des neuen Namens ein genuines DECCA, das London

Was bleibt?

Ich lehne mich etwas aus dem Fenster und behaupte: Jeder Analog-Fan sollte sich einmal mit den Decca Systemen auseinandersetzen und sie in einer ihm wohlvertrauten Umgebung anhören. Es könnte durchaus sein, dass ihm nach dieser Begegnung das Verlangen nach teuren MCs plus den notwendigen, zumeist ebenfalls teuren MC-Vor-Vorverstärkern gar nicht mehr kommt. Und nicht vergessen: den MM-Eingang des Phonoverstärkers, bei dessen Auswahl man nicht allzu geizig sein sollte, von 47 auf 15 kOhm reduzieren!