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WTL Kon­struk­ti­ons­prin­zi­pi­en

1977 präsentierte Poul Ladegaard von Brüel und Kjær, dem auf Schallmessungen spezialisierten dänischen Unternehmen, unter dem Titel „Audible Effects of Mechanical Resonances in Turnables“ einen bahnbrechenden wissenschaftlichen Artikel zur mechanischen Stabilität von Hifi-Plattenspielern. Auf Grundlage der Fourier Transformation analysierte Poul Ladegaard einen High End Plattenspieler mit dem Ergebnis, dass dessen Tonarm zur Vermeidung mechanischer Instabilität, die sich gehörmäßig deutlich wahrnehmbar in Seitenbandverzerrungen manifestiert, zum einen eine geringe effektive Masse und zum anderen eine hohe mechanische Dämpfung mit einem Gütefaktor Q von 0,5 aufweisen muss. Dies führte zur Entwicklung zahlreicher massearmer Tonarme, ohne jedoch die Forderung nach hoher Dämpfung ausreichend, wenn denn überhaupt zu berücksichtigen. Das ist insofern verständlich, als Massearmut durch Wahl geeigneter Materialien relativ leicht bewerkstelligt werden kann, wohingegen die Forderung nach gleichzeitig starker Dämpfung weniger eine Frage der Materialwahl als eine Frage der Tonarmkonstruktion an sich ist. Und genau hierauf, nämlich auf eine völlig neuartige massearme Konstruktion, die eine starke Dämpfung des Arms gewährleistet, habe ich bei der Entwicklung eines neuen Tonarms für den Amadeus Plattenspieler einen Schwerpunkt gelegt und nach dem Bau von nicht weniger als fünfzig Prototypen unter Verwirklichung beider von Poul Ladegaard aufgestellter Forderungen an den idealen Tonarm den Lösungsweg gefunden, der im Amadeus verkörpert ist.

Kontrolle der mechanischen Resonanzen des Tonarms

Der Tonarm des Amadeus besitzt kein Lager im herkömmlichen Sinn. Zahlreiche Tonarmlager basieren auf hochwertigen Kugellagern mit einem Spiel im unteren Mikrometerbereich. Dies mag sich auf den ersten Blick beeindruckend lesen, ist jedoch völlig kontraproduktiv, wenn es darum geht, eine hohe Tonarmdämpfung zu realisieren. Dank eines Tonarmlagers auf Grundlage eines Golfballs, der in ein Bad hochviskosen Silikons eintaucht, ist Lagerspiel für den Amadeus Tonarm kein Thema. Wegen der von Hause aus hochpräzisen Fertigung eignen sich Golfbälle hervorragend für die völlig spielfreie Lagerung des Tonarms des Amadeus und durch den Grad des Eintauchens in das Silikonbad ist die Dämpfung leicht optimierbar, was sich übrigens an einem Subwoofer nachvollziehen lässt, dessen Membrane beim Abspielen der Leerlaufrille einer Schallplatte bei optimaler Dämpfung des Tonarms kaum mehr Pumpbewegungen ausführt.

Kontrolle der Resonanz im Tonarmrohr

Das 10,5 Zoll lange Armrohr des Amadeus Tonarms ist mit Sand gefüllt, dessen Körnung so gewählt ist, dass sich im Rohr keine Schwingungsresonanzen aufbauen. Diese für Tonarmrohre einzigartige Technik ist äußerst effektiv und findet sich deshalb bei sämtlichen Armkonstruktionen von Well Tempered.

Drehstabilität der Plattenteller-Drehachse

Die aus Edelstahl bestehende Plattenteller-Drehachse des Amadeus dreht sich in einer Bohrung dreieckigen Querschnitts einer Teflonhülse, die so ausgerichtet ist, dass eine Ecke der Bohrung zum Antriebsmotor zeigt. Durch den dreifach definierten Linienkontakt der Achse mit der eckigen Bohrung erfährt der Plattenteller eine vollständig spielfreie, stabile Lagerung im Gegensatz zu einer kreiszylindrischen Bohrung, in der die Achse aufgrund ihres Spiels mehr oder weniger undefiniert von einem Linienkontakt zum anderen taumelt.

Lagergeräusch der Plattenteller-Drehachse

Die Plattenteller-Drehachse besitzt außerdem ein axiales Teflon- Drucklager, in das die Drehachse über einen definierten Punktkontakt an ihrem unteren Ende eingreift, wodurch der Plattenteller geräuscharm rotiert.

Plattenteller aus Acryl und Tellermatte aus Vinyl

Als Material für den Plattenteller hat sich Acryl aufgrund seiner mechanischen Eigenschaften sowie deshalb als optimal erwiesen, weil es relativ massereich ist und dadurch für ein erhöhtes Trägheitsmoment zugunsten geringer Gleichlaufschwankungen sorgt. Vinyl in Verbund mit einer Beschichtung aus Kunststoffschaum erwies sich in Tests als optimaler Werkstoff für die Plattentellermatte.

Antriebsriemen

Im Laufe meiner Suche nach dem optimalen Antriebsriemen für den Plattenteller habe ich hunderte Riemen unterschiedlicher Typen bezüglich ihres Einflusses auf das Gleichlaufverhalten des Plattentellers vermessen. Als optimal stellte sich ein Polyesterfaden einer Stärke von einem zehntel Millimeter heraus, der seinen positiven Einfluss auf den Gleichlauf des Plattentellers auch nach einem Testlauf von fünfzig Tagen unverändert beibehielt . Ein derartiger Faden hat außerdem den Vorteil, dass er problemlos verfügbar und austauschbar ist. Der Polyesterfaden muss allerdings zugunsten eines Antriebsriemens geknotet werden, was dem Gleichlauf normalerweise unzuträglich ist. Gelöst habe ich das Knotenproblem mit einer speziellen knotenfreundlichen Konstruktion der Antriebsscheibe.

Motor und Motorantrieb

Angetrieben wird der Amadeus durch einen kleinen Gleichstrommotor über eine von mir entwickelte elektronische Drehmoment-Servo-Regelung. Der Motor sitzt über einem Ring aus Isolationsschaum mechanisch wirksam entkoppelt auf dem Chassis des Amadeus. Die Kombination aus Riemen, Motor, elektronischem Motorantrieb und Isolation gewährleistet niedrige Gleichlaufschwankungen.

Chassis und Isolationsbasis

Das Chassis des Amadeus ist eine mit mattschwarzem Lack beschichtete spezielle Sandwich-Konstruktion aus zwei MDF-Platten. Die GTA-Version des Amadeus unterscheidet sich von seiner normalen Version dadurch, dass das Sandwichaufbau des Chassis eine Acryl- und eine Aluminiumplatte umfasst, die die durch ein dämpfendes Material miteinander verbunden sind. Optisch manifestiert sich der Unterschied in einer markanten zweischichtigen schwarzen Acrylbeschichtung des Chassis, das in beiden Versionen durch proprietäre Füße vom Untergrund isoliert ist, die als Isolationsbasis für den Amadeus fungieren.

William Firebaugh – Entwickler

well tempered amadeus – new music from your records

www.welltemperedlab.net