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WTL Amadeus

09.07.2009von Helmut Rohrwild © http://www.hifi-statement.net

Well Tempered is back! Nach einer mehrjährigen Auszeit ist Bill Firebaugh mit einem neuen Plattenspieler wieder da und wie schon in den Tagen der einstigen Well Tempered-Plattenspieler scheint der Kinks-Titel „I‘m not like everybody else!“ sein konstruktives Leitmotiv zu sein. Machen Sie sich auf Ungewöhnliches gefasst.

In den Neunzigern des letzten Jahrhunderts hat Bill Firebaugh die analoge Welt mit seinen radikal anderen Denkansätzen schon mal gespalten. Ein im konventionellen Sinn „lagerloser“ Tonarm und ein Tellerlager, in dem der Teller hin und her kippen konnte, waren für viele einfach inakzeptabel und abzulehnen. Unvoreingenommene Analoghörer haben diese Plattenspieler ausprobiert und festgestellt, dass sie tadellos funktionieren. Für etliche dieser Unvoreingenommenen ist das Thema Plattenspieler seitdem zur vollen Zufriedenheit abgehandelt. Ich selbst hatte mich Anfang 1996 ausgiebig mit dem Well Tempered Reference befasst und auch darüber berichtet (image 3/96). Eine ausgesprochen entspannte und übersichtliche Spielweise mit einer großen Bandbreite an gut harmonierenden Tonabnehmern ist mir im Gedächtnis geblieben. Den Reference Tonarm verwende ich immer noch und immer wieder gerne und natürlich habe ich ihn zum Vergleich mit dem neuen Konstrukt von Bill Firebaugh auf meinem Audiolabor Konstant aufgebaut.

Die damaligen Konzepte hat Bill Firebaugh mit seinem aktuellen Plattenspieler „Amadeus“ radikal simplifiziert, was zu geringeren Herstellungskosten führt, die letztlich auch dem Kunden zugute kommen. Das betrifft das Tellerlager und den Tonarm, während der Rest durchaus bekannten Bauprinzipien folgt. Die Basisplatte, Isolation Platform genannt, wird mit vier sehr weichen Schaumstoffpuffern vom Untergrund abgekoppelt. Da hier keine Justagemöglichkeit gegeben ist, ist wieder mal der allfällige Hinweis angebracht, dass der Unterbau, sei es ein spezielles Rack oder ein Wandregal, unbedingt horizontal auszurichten ist. Nachlässigkeit an dieser Stelle wird unweigerlich mit Klangentzug bestraft. Auf diese Basisplatte wird die Zarge des Amadeus mit drei soliden Gummifüßen gestellt.

Die Zarge selbst ist doppellagig, dem Anschein nach aus MDF. Hinten links sitzt der Motor, der von einem Steckernetzteil versorgt wird. Der Antriebspulley hat zwei Durchmesser, zur Geschwindigkeitswahl ist also Handarbeit angesagt.

Abb. 3

In einem Metallwinkel in der rechten hinteren Hälfte der Zarge sind die beiden Cinch-Ausgangsbuchsen und die Erdungsklemme montiert, obenauf sitzt eine Buchse vom Camac-Typ, an die das Tonarmkabel angeschlossen wird.

 

Das Anschlußfeld

In die Zarge ist eine Vertiefung eingedreht, die etwas größer als der Plattenteller ist. Darin sitzt zentrisch das Tellerlager à la Firebaugh, das aus einer vermeintlich viel zu großen Hülse besteht, die oben von einer Teflonscheibe begrenzt wird. Diese Scheibe hat eine quadratische (!) Öffnung, die wiederum größer als der Tellerachsendurchmesser ist. Das Pendant dazu findet sich im Drucklagerteil am Boden der Hülse. Da eine Ecke des quadratischen Ausschnitts genau zur Motorachse weist, wird die Achse via Plattenteller und String zum Motor gezogen, liegt an zwei Punkten an und läuft eindeutig stabil. So erzielt der Konstrukteur ein quasi spielfreies Lager, das obendrein unverschämt günstig herzustellen ist, da Toleranzen fast keine Rolle spielen – zumindest nicht mit den sonst so üblichen minimalen Werten.

Die Lagerhülse wird ungefähr zwei Drittel hoch mit Synthetiköl befüllt und danach der schwarze Kunststoffteller vorsichtig mit senkrecht gehaltener Achse (Spitze bitte nach unten) in das Lager eingesetzt. Diese Achse ist auf beiden Seiten des Tellers gleich lang, auch das einer einfachen Fertigung geschuldet. Allerdings kommt wegen eben dieser Länge keines der üblichen Mittelgewichte in Frage, allenfalls Klemmen, die über die Achse geschoben werden können. Die Tellermatte ist eine Schaumstoffscheibe, die bestens funktioniert. Der String ist von der ultradünnen Sorte und merklich elastisch. Zwei Stück davon werden, auf einem Stück Karton aufgewickelt, mitgeliefert. Das ist eine sinnvolle Vorsichtsmaßnahme, denn wegen seiner „Fast-Unsichtbarkeit“ kann der String leicht verloren gehen und ist dann kaum noch aufzufinden. Wegen der definierten Länge, die durch den fixen Abstand zwischen Teller und Motor bestimmt ist, ist ein Selberknoten eher der Rubrik Glücksspiel zuzuordnen. Von Experimenten an dieser Stelle würde ich ohnehin abraten, da das Laufwerk des Amadeus eine fein austarierte Einheit ist, die eben als solche hervorragend funktioniert.

Die Klemmschrauben sind angenehm groß

Und nun zum Tonarm, mit dem Bill Firebaugh das Prinzip „Leichttonarm plus Dämpfung ist das anzustrebende Ideal“ zu einem kaum noch zu steigernden Reifegrad gebracht hat. Die drei großen Bohrungen an der rechten Seite des Amadeus nehmen drei Zylinder auf: Die Armstütze, den „Galgen“ für das Lager und die Wanne für das Dämpfungsöl, die jeweils mit einer Inbusschraube seitlich geklemmt werden. Die Armstütze hat eine T-förmige Ausfräsung, die eine sichere Parkposition des Armrohrs erlaubt und auch ein „Klemmen“ des Arms für Systemwechsel. Die Wanne für das Dämpfungsöl ist unten als Halbkugel ausgebildet. Aus dem Galgen ragt seitlich ein Stab heraus, auf den der „azimuth adjustment collar“ aufgeschoben wird. Das kann man frei als Azimuthring übersetzen.

Das extrem dünne Armrohr ist aus Aluminium und zur Dämpfung mit Sand befüllt. Am hinteren Ende ist das Armrohr durch ein Metallteil geführt, das auf einem Golfball befestigt ist. Durch den Golfball führt im oberen Bereich eine Achse, an der beidseitig ein Kunststofffaden befestigt ist. Der wird zweifach über den Azimuthring geschlungen, der auf den Ausleger aufgeschoben wird. Vorher wird der Ring noch einmal um seine Vertikalachse gedreht, was für eine, wenn auch geringe, Antiskatingkraft sorgt. Zweimal verdrehen ist in den meisten Fällen schon zuviel des Guten. Jetzt nur noch die zwei Gegengewichte drauf und der Tonarm ist grundsätzlich fertig.

Tonarmlager + Dämpfungseinheit. Die Aufhängung ist einmal verdrillt, um eine Antiskatingkraft zu erzeugen.

Das hintere Gegengewicht ist aus Kunststoff und dient nur zum Feinabgleich der Auflagekraft. Die Innenverkabelung kommt hinter der Armaufhängung aus dem Armrohr und wird mit einem Camac-Stecker angeschlossen.

Durch Schwenken des Galgens und Verschieben des Azimuthrings wird der Arm so eingestellt, dass der Golfball mittig über der Dämpfungswanne platziert ist. Erst jetzt wird die Dämpfungswanne ungefähr zu einem Drittel mit Silikonöl befüllt. Nach der Befüllung erfolgen die Reaktionen auf Veränderungen der Justage nämlich verzögert. Also ist, wie schon beim Vorgänger, Geduld angesagt. Durch die Höhenverstellbarkeit dieses Teils kann der Grad der Dämpfung über die Eintauchtiefe des Golfballs in das Ölbad schnell und recht genau an den jeweiligen Tonabnehmer angepasst werden. Der Golfball als Dämpfungselement hat gegenüber der früheren Konstruktion gleich mehrere Vorzüge: Golfbälle sind in beliebiger Anzahl mit einer sehr hohen Präzision und Serienkonstanz für wenig Geld verfügbar. Durch die gleichmäßig über die Oberfläche verteilten Vertiefungen wird die Kontaktfläche zum Silikonöl erhöht, was zu einem besseren und in allen Bewegungsrichtungen gleichmäßigen Ansprechen der Dämpfung führt. Gleichzeitig ist durch die massive Dämpfung auch das Aufsetzen des Tonabnehmers auf die Platte recht zielsicher möglich. Vielen Anwendern scheint diese Methode aber dennoch zu unsicher zu sein, denn bei den neueren Exemplaren ist ein Tonarmlift dabei, der auch nachgerüstet werden kann.

Die Dämpfung à la Firebaugh funktioniert bestens und dauerhaft
Nochmal die Tonarmaufhängung mit Verdrillung des Aufhängestrings

Das Aufnahmeplättchen für den Tonabnehmer ist von unten an das Armrohr geschraubt und nicht (!) zum Verstellen gedacht. Bill Firebaugh hat für diesen elf Zoll langen Arm einen Überhang von 12,7 mm und einen Kröpfungswinkel von 19 Grad festgelegt. Alleine die Länge entschärft die Spurfehlwinkelproblematik und die damit einhergehenden Abtastfehler schon ganz ordentlich. Seine darüber hinaus gehenden Überlegungen dazu kann man auf der Homepage im „Well Tempered Lab Blog“ nachlesen. Die zielen letztlich auf die zweite Harmonische im Klirrgrad. Sehr lesenswert, auch wenn er damit als gesichert erachtete Erkenntnisse auf den Kopf stellt. Wie immer gilt auch hier: Entscheidend ist das erzielte Klangergebnis.

Der fertige Well Tempered Amadeus hat für mein Empfinden durch die reduzierte Bauform und den höchst ungewöhnlich aussehenden Tonarm die Anmutung einer modernen analogen Skulptur, die vielen Anlagen zur Zier gereichen kann. Ein nicht zu unterschätzender Aspekt, denn Ohrenmenschen sind meistens auch Augenmenschen.

Well Tempered Amadeus Plattenspieler

Aufgestellt wurde der Amadeus auf einem Wandregal und zu Beginn mit einem Decca mit dem altbekannten Steckhalter, dem „little red bracket“, bestückt. Ein gleiches Decca wurde in den Well Tempered Reference, der auf dem Audiolabor Konstant montiert war, eingebaut. So konnte durch Umstecken des vom Cartridge Man modifizierten Decca und des Phonokabels (beide Arme haben Cinch-Anschlüsse) ein sehr schneller Vergleich realisiert werden. Dabei habe ich zu Beginn weniger auf tonale Unterschiede geachtet, sondern mich auf die Raumabbildung konzentriert, auf die sich geometrische Fehler am ehesten auswirken. Schwierig, sehr schwierig – nur ab und zu meinte ich, zum Ende der Platte hin ein minimales Aufweichen der räumlichen Zuordnung beim Amadeus hören zu können und minimal meine ich wörtlich.

Weitere Erkundungen mit dem Garrott Grey Decca, das einen sehr üppigen Pegel generiert, also vermeintlich Unterschiede deutlicher herausstellen können sollte, verliefen mit dem gleichen Ergebnis. Das bringt mich zur Feststellung, dass die geometrische Auslegung von Bill Firebaugh zumindest nicht schlechter ist als die altvertrauten Nulldurchgänge, deren Position von den Herren Baerwald, Bauer oder Loefgren vor vielen Jahren definiert wurden. Bei allen weiteren probierten Tonabnehmern habe ich mich um die Geometrie nicht mehr gekümmert – für mich eine neue Erfahrung, da ich sonst immer möglichst exakt nach Baerwald justiere. Ist aber zugegebenermaßen recht angenehm, wenn man nur das System montieren muss und außer der Auflagekraft und vielleicht noch der Höhe nichts einzustellen bleibt.

Ein Parameter soll nicht unerwähnt bleiben – der Azimuth, den man durch Verdrehen des Azimuthrings problemlos, aber bitte vorsichtig in ganz kleinen Schritten, während des Abspielvorgangs justieren kann.

Hier mal ein Wort in eigener Sache: Dass ich mir die (reichliche) Zeit nehme, mehrere Systeme einzubauen und ausgiebig zu hören, beruht auf der Erfahrung, dass Tonarm-Tonabnehmer-Kombinationen nicht zwingend harmonieren, also ihr volles Potential nicht entfalten, auch wenn sie rein technisch zusammenpassen. Da habe ich schon so manche Überraschung erleben müssen und möchte unseren Lesern eben diese ersparen.

Nun zu einer ganzen Reihe von Tonabnehmern, die ich im Verlauf der letzten Monate im Amadeus gehört habe, beginnend mit einem System, das der Amadeus so gar nicht vertragen hat, nämlich das Nagaoka MM 11 A, das schlicht zu schwer ist und in Tateinheit mit einer kaum vorhandenen Nadelnachgiebigkeit den Arm nachhaltig zum Resonieren bringt. Also: Sehr schwere und gleichzeitig sehr steife Tonabnehmer sind von diesem Plattenspieler fernzuhalten! Das ist aber schon die einzige Einschränkung, die ich zu konstatieren habe.

Bestens verstanden sich Amadeus und EMT HSD 6. Hier zitiere ich mich selbst aus dem Bericht zu Ambrosia 2000/Son of Ampzilla: „Eine analoge Erfahrung der besonderen Art möchte ich Ihnen nicht vorenthalten: Für den Bericht über den Well Tempered „Amadeus“-Plattenspieler habe ich jüngst noch das EMT „HSD 6“ (mittlerweile auch schon fast ein Klassiker) in diesen eingebaut. Da der Spieler an den MM-Eingang angeschlossen war, habe ich das EMT einfach über diesen Eingang betrieben. Gut, das „HSD 6“ gehört schon zu den lauteren MCs, aber dass es dermaßen stimmig spielen würde, habe ich dann doch nicht erwartet. Sogar der Bassbereich, den ich schon oft als „fast rüpelhaft“ beschrieben habe, kam beherzt und nachdrücklich, aber ganz fein kontrolliert daher. Eine (unerwartet) sehr überzeugende Kombination!“

Überzeugend waren auch die weiteren Tonabnehmer, die entweder über den entsprechenden Phonozweig der Vorstufe Ambrosia 2000 liefen oder über separate Phonoverstärker wie Brocksieper Phonomax, Harmony Design V9 und V9T, SAC nano entrata disco und Sutherland The Hubble. Zu Harmony Design und Sutherland kommen in Kürze eigene Berichte.

Einen sehr erfreulichen Eindruck hinterließ das Denon DL 103 SA, eine Jubiläumsversion dieses Klassikers. Spielfreudig, bestens sortiert und mit erheblich mehr Gespür für Feinheiten als das normale DL 103 ist das eine gute Wahl für den Amadeus, wird schon gehobenen Ansprüchen gerecht.

Dass ich das Nagaoka MP 500 sehr schätze, ist kein Geheimnis, und diese Zuneigung wurde beim Betrieb im Amadeus wieder mal vertieft. Eine fein aufgeräumte virtuelle Bühne, ein ordentliches Pfund an Dynamik und stimmige, nicht übertriebene Klangfarben sind dieser Kombination zu eigen. Eine rundum zu empfehlende Analogkombo, die kein gar so tiefes Loch in den Kontostand schlägt.

Mit dem rund zehnfachen Preis des MP 500 ist das London Reference Cartridge ein ganz anderes Kaliber für einen wohl engeren Kreis an Interessenten. Nichtsdestoweniger zeigt dieser Tonabnehmer der Gattung MI (Moving Iron) ganz klar, dass Top-Tonabnehmer nicht zwingend aus dem Moving Coil-Lager kommen müssen. Das LRC bietet in allen Belangen Höchstleistung und, zumindest nach meinem Dafürhalten, eine unerreichte Unmittelbarkeit und ungebremste Dynamik, gepaart mit extrem viel Gespür für Feinstinformationen. Der WT Amadeus hielt da nichts zurück und lotete das London Reference sehr weit aus. Mehr kann man diesem System nur mit einem drastisch höheren Aufwand entlocken. Also wiederum ein großes Kompliment für den Amadeus.

Nun zu einem Oldtimer aus der MC-Kategorie, dem Audio Technica ART 1, das zu seiner Zeit „top of the line“ dieses Herstellers war und allerhöchste Anerkennung fand. Die verdient es noch heute, denn es enthält sich der schon fast manisch zu nennenden Auflösungswut mancher Moving Coil-Systeme, die Musik auf eine Detailflut förmlich reduzieren, ohne den musikalischen Kontext zu vermitteln. Musik ist einfach mehr als nur eine Ansammlung von Details. Den guten Tonabnehmern gelingt es, die Binnenstruktur der Musik aufzuzeigen, die oft erst zur emotionalen Berührung führt. Bitte verstehen Sie das nicht falsch: Ich rede keinesfalls einer reduzierten Auflösung das Wort, sondern erwarte die Details im Klangbild zu finden bzw. zu hören. Das macht das ART 1 im Amadeus auf ganz erstklassige Art und Weise und lässt sein Alter ganz schnell vergessen.

Noch ein MC-Oldie, das van den Hul Grashopper III GMA. Dieses Exemplar liefert eine satte Ausgangsspannung, deutlich höher als von einem Medium-Output (das M in der Typenbezeichnung) zu erwarten ist. Nach der Kryogenisierung (im Rahmen eines Artikels zu diesem Thema in h&r) hat es seine schiere Detailwut, die mich immer genervt hat, gegen detailreiche und schön stimmige Klangbilder getauscht. Das harmoniert prächtig mit dem Amadeus, wie die Schriebe des Frequenzgangs, der Resonanzen und des Klirrverhaltens belegen.

Van den Hul Grashopper III GMA & Well Tempered Amadeus an SAC nano entrata disco

Frequenzgang
Klirrverhalten
Resonanzverhalten horizontal
Resonanzverhalten vertikal

Zur Abwechslung jetzt ein aktuelles MC, das Ortofon Venice, das ich in jedem Tonarm ausprobiere, der sich bei mir zum Test einfindet. Und auch das führte der Amadeus zur vollsten Zufriedenheit, brachte die bestens vertrauten Meriten des Venice ohne Abstriche zu Gehör. Glasklare Durchzeichnung, dynamischer Feinsinn und glaubhafte Raumdarstellung ließen ebensowenig zu wünschen übrig wie die Ausgewogenheit über das gesamte Frequenzband.

Und noch einmal ein altes System aus jenen Zeiten, zu denen Moving Magnet-Systeme noch nicht mit dem Ruch des Billigen behaftet waren, sondern in vollster Blüte standen. Das Shure Ultra 500 kostete damals immerhin rund 1.500 DM, was in den 70-ern absurd teuer war und ihm einen Exotenstatus verlieh. Demzufolge war diesem Meisterstück aus dem Haus Shure keine allzu lange Marktpräsenz beschieden, was man aus heutiger Sicht nur bedauern kann. Bei der Performance, die das Ultra 500 im Amadeus zeigt, muss man sich schon fragen, was eigentlich seither Neues passiert ist …

Shure Ultra 500 & Well Tempered Amadeus an SAC nano entrata disco

Frequenzgang
Klirrverhalten
Resonanzverhalten horizontal
 
Resonanzverhalten vertikal

Das Ultra 500 klingt so, wie es der Frequenzschrieb erwarten lässt: Wunderbar ausgewogen über den gesamten Frequenzbereich liefert es mit einer geradezu samtpfötigen Präzision jede Menge an Informationen, die immer stimmig ins Klangbild eingebunden sind. Auch in Sachen Raumdarstellung und Dynamik spielt es eindeutig auf höchstem Niveau. Eine äußerst gelungene Vorstellung!

Ganz aktuell ist das Goldenote Verona, derzeit Spitzenmodell der deutschen Produktpalette. Da auch zu diesem ein gesonderter Bericht geplant ist, hier nur das Wesentliche im Zusammenspiel mit dem Amadeus: Obwohl das Verona recht schwer ist, liefert es dank einer vernünftigen Nadelnachgiebigkeit ein klasse Vorspiel ab mit beherzt-kontrolliertem Tiefgang, quicklebendigen Höhen und einer räumlichen Projektion, die bis vor die Lautsprecherebene reicht und in sich übersichtlich sortiert ist.

Nach dieser reichlichen Zahl an Tonabnehmern unterschiedlicher Bauart aus verschiedenen Dekaden der Analogtechnik ist es an der Zeit, ein Fazit zu diesem ungewöhnlichen Plattenspieler zu ziehen. Mit Ausnahme der anfangs beschriebenen, sehr speziellen Tonabnehmerkategorie haben alle Tonabnehmer ganz prächtig mit dem Well Tempered Amadeus harmoniert. Misstrauen gegenüber dem filigran anmutenden Tonarm und seiner Fadenaufhängung ist absolut unangebracht, denn die Einstellungen sind schnell auf den Punkt gebracht und werden zuverlässig gehalten. Der Antriebsmotor ist relativ „mitteilsam“, kann durchaus Brummeinstreuungen in das Signal verursachen. Das kriegt man aber mit einem Erdungsanschluss und sorgfältiger Positionierung des Phonokabels schnell in den Griff, sogar mit den diesbezüglich berüchtigten Decca-Systemen. Und auch der hauchdünne Antriebsstring leistet seinen Dienst jetzt schon mehrere Monate ohne Probleme. Experimente mit dem Kuzma-Plattengewicht und einer „damp-clamp“ haben gezeigt, dass diesbezügliche Aktivitäten überflüssig sind, das offenbar fein austarierte Konzept des Amadeus eher stören.

STATEMENT

Bill Firebaugh meldet sich mit einem Paukenschlag zurück. Der Well Tempered Amadeus ist mit seiner reduziert-eleganten Erscheinung ein analoger Blickfang. Seine ungewöhnlichen Detaillösungen ergeben klangliche Fähigkeiten, die weit über seine Preisklasse hinausreichen. Das hat er mit einer Reihe hochwertiger Tonabnehmer bewiesen. Eine sehr bemerkenswerte Alternative zu den etablierten Analogspielern, die ihren Preis ohne Frage rechtfertigt und eine nachdrückliche Empfehlung verdient.

HER­STELLERANGABEN2
Plat­ten­spieler Well Tem­pered Amadeus
Garantie3 Jahre
Preis2900 Euro
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