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Music Power

by Barbara Anne Scarantino

Um zu erklären, was damit gemeint ist, stellt Dr. Manfred Clynes die Frage, warum ein Musikstück, das von einem „großen“ Künstler interpretiert wird, „… den Zuhörer bewegen kann, seine Stimmung verändern kann, seine Abwehrhaltung durchbrechen kann und ihm Lebensfreude vermitteln kann“, während das selbe Stück, von einem „schwächeren“ Künstler dargeboten, den Zuhörer unberührt lässt.

Clynes bietet als Antwort an, dass das nicht an der Komposition, also an dem Stück selbst liegt, sondern an dem Zugang des Künstlers zur Komposition, an seinem Einfühlungsvermögen. Je besser er sich mit dem Stück identifiziert, desto eindringlicher kann sein musikalischer Ausdruck sein, mit dem er die Zuhörer intensiv anspricht.

Die Forschungen von Clynes haben erbracht, dass grundlegende Verhaltensweisen angeboren sind und so kulturelle Prägungen und erlerntes Verhalten „überlagern“, also neurologisch angelegt sind. Er demonstrierte das mittels eines Experiments, an dem Vertreter aus vier verschiedenen Ethnien teilnahmen (aus USA, Mexiko, Japan und Indonesien). Die Teilnehmer hatten Knöpfe zu drücken, die sieben verschiedenen Emotionen zugeordnet waren: Zorn, Hass, Gier, Liebe, Sex, Freude und Ehrfurcht. Die Stärke des Knopfdrucks wurde in eine Grafik umgesetzt und war bei allen ungefähr gleich, ganz egal, aus welchem Kulturkreis sie kamen.

Clynes vermutet, dass musikalische Kompositionen ausdrücken (können), wie der Komponist gelebt und gefühlt hat, also seine Persönlichkeit widerspiegeln. Je näher der Interpret dem Komponisten emotional kommt, desto mehr kann er sich in dessen Emotionen einfühlen und diese dem Auditorium vermitteln, auch wenn sie schon vor hunderten von Jahren zu Papier gebracht wurden.

Mit Dirigenten ist es nicht anders. Manche haben die Fähigkeit, ihre Energie dem Orchester zu vermitteln und so zu Höchstleistungen anzuspornen, die die Zuhörerschaft regelrecht zu elektrisieren vermag. Andere bringen zwar alle technischen Fähigkeiten mit, haben aber keinen emotionalen Zugang zum Komponisten und sind daher keiner emotionalen Vermittlung mächtig. So eine Darbietung wird immer als „kühl“ und „technisch“ empfunden werden.

Im Aufnahmestudio schließlich ist der Toningenieur dafür verantwortlich, dass die entscheidenden Dinge auf Band verewigt werden – was Dirigent, Künstler und Darsteller aus den Intentionen des Komponisten gemacht haben. Das kann er nur schaffen, wenn er auf „gleicher Wellenlänge“ liegt. Wenn er die musikalische Botschaft nicht wahrnimmt, dann wird auch die Aufnahme nichts und zu guter Letzt wird der Käufer der Platte betrogen.

 

Auszüge aus einem Statement von Keith Jarrett:

„Das Umfeld, in dem wir Musik hören, also die Wiedergabekette, der Raum usw., ist untrennbar verbunden mit unseren Möglichkeiten, Musik zu erfahren, zu erleben. Unterschiedliche Anlagen bieten uns unterschiedliche Erlebnisse, denn die Musik an sich kann nicht getrennt von ihrer Wiedergabe gesehen werden. Das macht die Wiedergabekette wichtiger als man üblicher Weise glauben möchte. Kann die Kette uns das vermitteln, was die Musiker auf der Aufnahme ausdrücken wollten?

Keinesfalls müssen Musiker Audiophile sein. Obwohl ich seit 1965 aufnehme, habe ich mir darüber bis vor zehn Jahren keine Gedanken gemacht.

Aber: Audiophile und Musikliebhaber erweitern die Horizonte, verschieben die Grenzen und wir alle profitieren davon. Weiterhin: Die ernsthaften Audiophilen sind offen für Neues, lernen immer dazu und bleiben dabei geduldig, bis das Neue auch passt. Das kann eine Weile dauern. …

Natürlich sind es Ihre Ohren, die entscheiden. Ich denke, dass Sie Ihr Augenmerk auf Ihre Bedürfnisse richten sollten! …“